„Der Frühling ist schön;

doch wenn der Herbst nicht wär‘

wär‘ zwar das Auge satt,

der Magen aber leer.“

–   Friedrich Freiherr von Logau, 1605-1655  

 

 

Das hat der barocke Freiherr aber mal „löffelscharf“ erkannt – da kann ich ihm nur wärmstens zustimmen!

 

 

 

 

Gesagt, getan – heute wird daher „Wärme auf Vorrat“ gekocht. Und in Zeiten wie diesen können wir die ja alle mehr als gut gebrauchen.

 

 

„Ich bin der beste Koch im Land, mit Fantasie und mit Verstand….tralalala…. bin ich der beste Koch im Land…..lalala…..“

 

 

 

 

 

Wenn Omis Leib- und Magenspeisen auch heutzutage neudeutsch griffig „Soulfood“ im „one pot“ genannt werden, kommt mir an frösteligen Herbsttagen gleich Oma Sefis „Wuorttelpott“ in den Sinn, der urtypische Möhreneintopf des Münsterlandes! Langsam und gemächlich, ohne jede Eile blubbert er vor sich hin, um am Ende Groß und Klein (und das ist bei ihm garantiert!) allen mit seiner gemütlichen, warm gelben Farbe und dem sanft-pikanten Möhrengeschmack wohlig den Magen zu füllen.

 

 

 

 

Gibt es dann zum Nachtisch noch Bratäpfel mit Vanillesoße, kann es draußen ruhig wild stürmen und pfeifen – hier drinnen ist alles rund und gemütlich, satt und zufrieden.

 

 

 

 

 

Oma Sefis Wuorttelpott kommt natürlich (alle Vegetarier bitte jetzt kurz mal weghören…) ohne eine Handvoll durchwachsenen Speck oder 350 g Hohe Rippe nicht aus…

Dazu kommen 800 g Möhren und ebenso viel Kartoffeln, 2 Zwiebeln, 1 kleine Stange Lauch und ein Bund Suppengrün, Salz und Pfeffer.

Für leidenschaftliche Vegetarier schmeckt der Wuorttelpott auch mit einer leckeren Gemüsebrühe, angereichert mit einer Prise Muskat fein und delikat.

Das Fleisch in 750 ml kochendem Wasser eine halbe Stunde kochen lassen, die kleingewürfelten Möhren und Kartoffeln, Zwiebeln, Lauch in feine Ringe geschnitten sowie das zerkleinerte Suppengrün hinzufügen. Salzen und pfeffern. Alles Zutaten zusammen ungefähr noch eine halbe Stunde köcheln lassen, bis Kartoffeln und Möhren gar, aber gerne noch etwas bissfest sind.

Das kleingeschnittene Fleisch zurück in die Suppe geben oder separat reichen. Als frischen und vitaminspendenden Farbklecks reichlich kleingeschnittene Petersilie über den Wuorttelpott streuen.

 

 

 

 

 

Im Anschluss der perfekte Gute-Laune-Nachtisch

 

 

 

Rezept siehe: https://poesieundpatina.de/2018/12/13/muensterlaendischer-bratapfel/

 

Na, riecht es nicht schon ein wenig nach Advent? Nein? Aber Vorfreude ist bekanntlich die beste aller Freuden, deshalb dürft ihr euch schon mal erwartungsvoll die Bäuchlein reiben… läcka, läcka!

 

 

 

 

Ein echter Glücklichmacher nach einem erfrischen herbstlichen Waldspaziergang ist für mich eine „Weiße Bohnen-Suppe“. Diesmal aber nicht die von Oma mit Eisbein und Räuchermettendchen, sondern die etwas raffiniertere toskanische Variante:

 

 

 

 

 

Die Deftige der früheren „Arme-Leute-Küche“ erwünscht sich allerdings etwas Vorplanung, da die weißen Bohnen – eine 500 g Packung – am besten über Nacht mit kaltem Wasser gut bedeckt eingeweicht (mit einer Messerspitze Natron) werden wollen. Am nächsten Tag haben sie dann gerne fröhliche Gesellschaft im Topf von zwei roten Zwiebeln, 1-2  Knoblauchzehen, zwei großen Möhren, 1 Stange knackigem Porree und zwei zarten Stänglein Staudensellerie, etwas Rosmarin und einem kleinen Bündchen Thymian (denn wir kommen ja aus Italien), sowie einer kleinen Chilischote, Olivenöl und ca. 600 ml Gemüsefond, Salz und Pfeffer. Keinesfalls kann sie auf 200 g stückige Tomaten aus der Dose und als letzten Akkord fein geriebenen Parmesankäse verzichten.

 

 

 

 

 

(In der klassischen toskanischen Ribollita treffen sich oftmals auch noch einige Blätter Wirsing oder Grünkohl zum Stelldichein mit den anderen Zutaten. Aber letztendlich ist alles Geschmacksache; bei uns kommt die oben beschriebene Variante am besten an.)

Zugedeckt machen sie es sich alle zusammen für eine Stunde gemütlich und garen entspannt dem Genuss entgegen.

Zwiebeln und Knoblauch fein hacken, Porree in dünne Ringe schneiden, Möhren und Sellerie würfeln.

In erhitztem Olivenöl alles zusammen ca. 5 Minuten dünsten, dabei ab und zu umrühren, damit nichts anbrennt.

Die stückigen Tomaten, den Gemüsefond und die Kräuter hinzufügen, kurz aufkochen und zugedeckt auf kleiner Hitze 15 Minuten köcheln lassen.

Die abgetropften Bohnen zugeben und mit einem Esslöffel Parmesan so lange köcheln lassen, bis die Bohnen gut gar, aber nicht zu weichgekocht sind. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Wer mag, kann die Suppe jetzt fein pürieren. Bei mir wird die Ribollita in vorgewärmten Tellern rustikal serviert und mit einem Teelöffelchen geriebenem Parmesan sowie einem zarten Faden Olivenöl für den italienischen Pfiff!

Gaumenfreundliche Begleiter sind ein Scheibchen toskanisches Landbrot oder ein fluffig-knuspriges Ciabatta.

 

 

 

 

Wer jetzt noch nicht zufrieden ist, dem kann mit einem guten Schlückchen rotem Landwein aus der Toskana zu wohligem Schnurren verholfen werden.

 

 

 

 

 

 

Damit die Naschkätzchen nicht leer ausgehen, rundet ein geheimnisvolles, aber pumperlgesundes „Bauernmädchen“ diese herbstlich vergnügte Mahlzeit ab.

 

 

 

 

 

Rezept siehe: https://poesieundpatina.de/2018/08/20/verschleiertes-bauernmaedchen/

 

 

 

 

Und jetzt hat „Sie“ ihren großen Auftritt – die heißgeliebte, unverzichtbare, alle Lebens-(Not-)lagen entspannende – immer und immer wieder tröstlich nach Zuhause schmeckende, köstliche

 

 

 

 

Dass eine klassische Hühnersuppe nicht nur bei Erkältung wärmstens zu empfehlen ist, wusste natürlich Oma Sefi aus lang überlieferter Erfahrung. Magen, Herz und das von was auch immer verschnupfte Seelchen streichelt sie mitfühlend und erquickend.

Mit ihrem unverwechselbaren, aromatischen Dämpfen strömen die Erinnerungen an Geborgenheit, Vertrautheit, ja ganz einfach Liebe in unsere Nasen und ins Gemüt.

Jedes einzeln behaglich geschlürfte Löffelchen bringt den unvergesslichen Geschmack der lebenslangen, sorgenden Liebe von Mutter und Großmutter zurück. Heiß dampfender, lukullischer Genuss, wärmende Seelenmassage und im besten Fall Schnupfenviren vertreibendes Hausmittel (sagt Oma Sefi!)

 

 

 

 

Und das Rezept? Eigentlich gibt’s nur eins: eben das Unschlagbare von Oma Sefi….

 

Hühnersuppe mit Eierstich !!!

                    

1 Bio-Suppenhuhn, ca. 2,5 kg

Wasser

1 TL Salz, weißer Pfeffer

2-3 Lorbeerblätter

4-5 Pfefferkörner

milde Zwiebel

2 Möhren

1 Petersilienwurzel

½ Bund glatte Petersilie

200 g Fadennudeln

für Kinder auch gerne Sternchennudeln

 

Das Huhn gründlich innen und außen abspülen, den Bürzel abschneiden, da die Suppe sonst einen leicht tranigen Geschmack bekommt.

Huhn in einem großen Topf mit kaltem Wasser aufsetzen, es sollte gut bedeckt sein. Jetzt salzen und aufkochen. Lorbeerblätter und Pfefferkörner zufügen sowie die geputzte und kleingeschnittene Petersilienwurzel und die halbierte Zwiebel mit Schale! (für eine appetitliche gelbe Farbe). Ungefähr eine bis eineinhalb Stunde bei kleiner Hitze kochen lassen bei schräg gestelltem Topfdeckel, damit der Dampf entweichen kann.

Um eine schön klare Suppe zu erhalten, ab und zu den Schaum auf der Oberfläche mit einer Schaumkelle abschöpfen.

Anschließend das Huhn ebenfalls mit der Schaumkelle aus der Suppe nehmen und auf einem separaten Teller abkühlen lassen. Fleisch und Haut vom Knochen lösen und in mundgerechte Stücke schneiden.

Die Nudeln noch etwa drei Minuten mitkochen lassen und das kleingeschnittene Hühnerfleisch wieder in die Suppe geben.

Mit Salz und Pfeffer abschmecken, Petersilie klein hacken und getrennt  servieren. (Kinder mögen die Suppe manchmal lieber ohne das „Grünzeug“)…

Anm.: Meiner Hühnersuppe wird kein Suppengrün zugesetzt, da es den feinen Hühnergeschmack nicht übertönen soll.

 

 

 

 

Und nun die von allen begehrte Krönung der Hühnersuppe!!!!

 

 

 

 

Eier, 1/8 l kalte Milch, eine gute Prise Salz und geriebene Muskatnuss…

Eier mit Salz, Muskat und der Milch verquirlen. Eine kleine Porzellanschüssel mit Butter ausstreichen und die Eiermilch bis zur Hälfte einfüllen. Im heißen Wasserbad etwa 30 Minuten bei fast geschlossenem Topfdeckel stocken lassen. Die fest gewordene Masse stürzen, in kleine Würfel schneiden und in die Suppe geben.

 

 

 

 

Tata…. Gibt es eine köstlichere Suppeneinlage? Unbedingt etwas mehr machen, „prügeln“ sich eh‘ alle drum…“Sammy hatte schon so viele Eier- Würfelchen, ich will auch noch…“

 

 

 

 

Nun mal mit der Ruhe…. Dafür bekommst du ein Löffelchen „Vanillepudding“ mehr, mein Schatz! Und nicht den aus dem Tütchen… nee, den schleckerleckeren Selbstgemachten mit zarten Eischneewölkchen natürlich!

 

 

 

 

 

500 ml Milch, 2 Eigelb, ausgekratztes Mark einer Vanilleschote, 1 Päckchen Bourbon Vanillezucker, 1 El Zucker, 5 gehäufte Tl Speisestärke

400 ml Milch im Topf langsam, damit sie nicht anbrennt zum Kochen bringen.

Vanilleschote auskratzen und Mark und Schote in die Milch geben.

100 Milch mit Bourbon Vanillezucker, Zucker und 2 Eigelb sowie der Speisestärke glatt rühren.

Diese Mischung unter ständigem Rühren in die kochende Milch fließen lassen, alles zusammen kurz aufkochen.

Den zuvor geschlagenen Eischnee aus zwei Eiweiß, einem Tl Zucker und einer Prise Salz locker unter die Puddingmasse heben und in eine kalt ausgespülte Schüssel füllen.

 

 

 

 

Ihr Lieben, wollen wir ihn noch warm genießen oder geduldig abkühlen lassen??? Wie immer eine Frage des Geschmacks, aber in jedem Fall ein unwiderstehliches Gedicht!

 

 

 

So – und zu guter Letzt – Trommelwirbel und Tusch für die

 

 

 

 

die auf meiner herbsterwärmenden Kochplatte natürlich nicht fehlen darf. Die „Rheinische Erbsensuppe“ – als mollig pudelwarme Reminiszenz an meine bunten und fröhlichen Stimmungskanonen der rheinischen Mischpoke!

 

 

 

 

Ob bei Klein- oder Großfamilien traditionell am Samstagmittag, bei rustikalen Partys oder krachenden Betriebsfesten aus dem ganz großen Topf – sie spielt in der ersten Sattmacherliga seit eh und je ganz vorne mit! Am besten schon einen Tag vorher gekocht, damit ihre speziellen Zutaten sich ungestört, ruhig und gemächlich entfalten können. Dann schmeckt sie – und das natürlich in vergnügter und hungriger Gesellschaft – am besten: gehaltvoll, herzhaft und ohne jedes affektierte Getue – einfach großartig und unverwechselbar!

„Mer muss de Feste fiere wie se falle“ – aber auf jeden Falle mit „ÄHZEZUPP“! Dann „mät et och nix, dat jede Jeck anders es“…

 

 

 

ZUTATEN

 

500 g grüne Schälerbsen

         4 Mettenden           

500 g Kassler

Stangensellerie

3 große Möhren

 

1 große Gemüsezwiebel

2 Lorbeerblätter

1 Knoblauchzehe

1 Bund Thymian

Salz und Pfeffer

 

Sellerie, Mohrrüben, Zwiebel und Knoblauch in kleine Würfel schneiden, mit dem Thymian andünsten, bis das Gemüse weich ist. (Bei mir darf es immer noch ein wenig knackig sein).

Lorbeerblätter und Kassler (auch gewürfelt) mit in den Topf geben und 10 Minuten mit anbraten. Temperatur drosseln und die Erbsen untermischen.

Alles mit Wasser bedecken und aufkochen, anschließend bei geringer Hitze ca. 1 ½ Stunde köcheln lassen.

10 Minuten vor Ende der Garzeit die Mettenden in Scheibchen geschnitten zufügen, dann erst salzen und pfeffern.

 

Anm. Wie bei der Ribollita weiche ich die Erbsen am Abend vorher mit einer Messerspitze Natron gut bedeckt mit Wasser ein. So sind die Hülsenfrüchte auch für einen etwas empfindlichen Magen gut bekömmlich. Und für kleine verwöhnte Prinzesschen püriere ich die Erbsensuppe glatt und samtig, damit das silberne Löffelchen auch fein eintauchen kann!

 

 

Als Getränk zu diesem herz- und herbsterwärmenden Genuss gibt es natürlich – wie könnte es anders sein – ein helles, lecker süffiges KÖLSCH! Prösterchen….

 

 

 

 

 

 

Ein erfrischender herbstlicher Nachtisch nach der Erbsensuppe ist Oma Sefis

 

 

 

Hierzu werden 500 g Pflaumen, 1 kg Äpfel und 1 kg Birnen – am besten die harten, unscheinbaren Speckbirnen, die kaum noch jemand kennt – in einem Liter Wasser mit 125 g Zucker und einer Zimtstange weich, aber noch leicht bissfest gekocht.

Natürlich wird das Obst vorher gewaschen, die Äpfel und Birnen geschält und in mundgerechte Stückchen geschnitten, die Pflaumen halbiert.

Gut gekühlt hält sich das Dessert im Kühlschrank einige Tage.

 

 

 

 

Wer möchte und fleißig Fallobst in Nachbars Garten gesammelt hat, kann die Dreifrucht auch in große Weckgläser einkochen, so hat man im Winter einen schönen Vorrat, um seine Lieben immer mal wieder mit etwas „Gluschtigem“ – wie mein bayrischer Vater es genießerisch genannt hat – zu überraschen.

 

 

 

 

 

 

Pappsatt wünsche ich euch allen herbsterwärmende Mahlzeiten in hoffentlich geselliger Runde und sage ein herzliches „Tschö“, bis ganz bald,

 

eure Evelyn

 

 

 

 

PS.: Die Rezepte der Eintöpfe sind für  ca. 4 – 6 Personen, in der Regel ist aber auch ein großzügiger Nachschlag drin! Und das eine ultimative Rezept für alles gibt es m.E. nicht. Diese hier beschriebenen sind meine, bzw. die von der münsterländischen Oma Sefi und von meinem rheinischen Zweig der Verwandtschaft überlieferten.

 

 

 

 

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