Im Hier und Jetzt – Gedanken zum Wonnemonat

 

 

 

 

 

„Man sollte jeden Tag wenigstens

ein kleines Lied hören, ein gutes

Gedicht lesen, ein treffliches

Gemälde sehen und wenn es

möglich zu machen wäre, einige

vernünftige Worte sprechen.“

– Johann Wolfgang von Goethe –

 

 

 

 

Ja, wenn man denn noch alle Sinne beisammen hat, die zu Goethes Empfehlungen gehören, ist das natürlich ein wirklich guter Rat, um die kleinen, dringend notwendigen Auszeiten im Alltag etwas liebenswerter und positiver zu gestalten. Das ist mir mit kleinen Ausnahmen bis vor einigen Wochen auch meistens ganz gut gelungen.

 

 

 

 

Das ich einmal sprachlos werden würde und mir schlichtweg kein Wort und schon erst recht kein „vernünftiges“ mehr einfallen würde, hätte ich mir nie träumen lassen. Und das unser aller Alphabet mal bei einem Wort, das mit dem dritten Buchstaben beginnt, für lange Zeit in kompletter Verwirrung stehen bleiben würde… ich hätte es nicht für möglich gehalten.

 

 

 

 

Aber damit war ich ja nicht allein. Selbst die jungen, starken Unerschütterlichen um mich herum schienen mir irritiert, zuweilen kopflos und oftmals verzweifelt. Wie hätte es auch anders sein können – niemand der Heutigen war auf eine derart verstörende Situation vorbereitet. Wir saßen plötzlich alle im gleichen Boot – jung, alt, mit und ohne Falten, glücklich oder traurig, arm oder reich… alle zusammen im schwankenden Boot auf ziemlich stürmischer See. Im Gepäck nur die betrübliche Ungewissheit – was bringt das Morgen? Gibt es überhaupt eins – und wenn ja – wo, wie und wann?

 

 

 

 

Woher in einer derart verwirrenden Situation die Kraft und Zuversicht nehmen, das berühmte positive Denken zu aktivieren? Wo doch selbst kleine, einigermaßen klare Gedankensplitter durch millionenfache Nachrichten, vermeintliche Erkenntnisse und grassierenden Spam-Müll täglich aufs Neue durcheinander gewirbelt werden.

 

 

 

 

Ist es da verwunderlich, dass man kaum selbst noch weiss wer man eigentlich ist, wenn man morgens in den Spiegel schaut? Gestern noch einigermaßen fit und stramm im Lebend stehend als ehemalige 68er, später von Wirtschaft und Werbung hofierte goldige Best Ager, die nicht nach ihrem Alter eingeordnet wurden, sondern nach ihrem Portomonnai! Und jetzt – RISIKOGRUPPE !!! Bääm!!! Wuumms!!! Klatsch!!! Gefühlt mindestens zehn Jahre älter! Wieder eine Generationenschublade –  in die ich vehement und vor allem ungefragt gezwungen werde. Kein Wunder, dass ich mir verstört die Augen reibe und mich frage: „Wer bin ich und wenn ja wieviele?“  Und das brauche ich mir nicht  nur philosophisch zu beantworten, sprechen doch die allmählich grauer werdenden Haare, die wachsenden Schwimmhäute zwischen den Fingern vom hundertfachen Händewaschen und die neuen Speckrollen mangels Bewegung ihre eigene traurige Sprache. Ich fürchte, da ist irgendwann eine riesige Kraftanstrengung unvermeidlich, um diese persönlichen Kurven wieder abzuflachen….

 

 

 

 

„Ist ja nur zu deinem Schutz“ tönt es auf allen Kanälen. Schutz??? Von den Lieben getrennt, die Kinder nicht besuchen, die Enkelkinder nicht sehen, sie nicht knuddeln und herzen dürfen, die Freunde nicht treffen, nicht das Haus verlassen, nicht selbst einkaufen und sein Leben organisieren wie bisher? Keine klitzekleine Abwechslung außerhalb der eigenen vier Wände, keine Anregung durch Kunst und Kultur außer in der Glotze und im Worldwideweb, keine Dynamik bei Sport und Bewegung, geschweige denn ein Ausflug oder eine Reise, keine Feier und keine Freude? Und das alles zu meinem Schutz???

 

 

 

 

Nein, das ist nicht die Freiheit, die ich meine. Das ist soziale Isolation und mit ihr die Abwesenheit von Zuversicht! Das bedeutet Stress – und im schlimmsten Fall Depression. Und wer möchte schon bestreiten, dass derartig negative Gemütsverfassungen auf die Dauer wirklich krank machen. Da braucht es nicht erst das alles beherrschende Wort mit dem dritten Buchstaben des Alphabetes am Anfang und die dazugehörige tagtägliche Kakophonie aus berufenem und leider allzu oft höchst unberufenem Munde!

 

 

 

 

Das kann man mal ein, zwei, drei Wochen aushalten, aber dann wird es Zeit, aus den „multiplen“ Persönlichkeiten eine mit der Identifikation des inneren Widerstandes, des kleinen Rebell und Drachentöters hervor zu kramen. Einfach um mal wieder in den glückseligen Zustand des „Bei-sich-Seins“ einzutauchen und die aus dem Takt geratene Welt um sich herum zu vergessen. Im HIER und JETZT!

 

 

 

 

Ab sofort und jeden Tag aufs Neue! Sich daran erinnern, wie es als Kind war – kein Gestern und kein Morgen. Kleine Augenblicke des Staunens und der Begeisterung neu entdecken, die den „Flow“ erzeugen, den Zustand eines als beglückend erlebten Gefühls in der Magie der Gegenwart, denn  s i e  ist „die einzige Zeit, die in Wahrheit uns gehört“  (Blaise Pascal).

 

 

 

 

Und wenn die Zeiträume auch klein sind, die Gedanken abschweifen, so mögen uns die Worte Goethes doch daran erinnern…

 „Man sollte jeden Tag  w e n i g s t e n s  ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.“

 

 

 

 

In diesem Sinne würde ich mich sehr freuen, wenn unser aller Blick auf die kleinen positiven Veränderungen auf dem Weg aus der Krise uns stets begleiten würde, damit wir zuversichtlich und vertrauensvoll in ein tröstliches, unbesorgteres Morgen schauen können.

 

Das wünsche ich euch von Herzen,

eure Evelyn

 

 

 

 

PS.: Sehr geholfen den Grauschleier zu lüften und mir wieder ein Lächeln oder gar herzhaftes Lachen ins Gesicht zu zaubern, hat mir das Buch mit dem schönen Titel “JOYFUL” von Ingrid Fetell Lee. Sie beschreibt, wie wir unsere ganz persönliche Wohlfühlumgebung in Materialien, Formen und vor allem Farben so gestalten können, dass sich unsere Wahrnehmung schärft für ein gesünderes und glücklicheres Leben. Mit teilweise kleinsten Veränderungen – so die Autorin – gewinnen wir Energie, Freiheit und inneres Gleichgewicht auch in schwieriger Zeit zurück. Unbedingt empfehlenswert!

 

 

(Dieser Post enthält Produktempfehlungen und damit unbezahlte und unbeauftragte Werbung.)

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