Duftpoesie im Mai

 

 

Poesie ist ein Duft,

der sich verflüchtigt

und dabei in unserer Seele

die Essenz der Schönheit zurücklässt.

– Jean Paul –

 

 

 

 

Der geniale Parfümeur Jean-Claude Ellena schreibt in seinem Buch  – Der geträumte Duft – “Das Traumparfüm ist eines, das man riecht, im Augenblick erlebt, einen Atemzug lang, es ist keines, das man trägt. Es schmückt nicht, kleidet nicht, schützt nicht. Es ist reine Emotion.“

 

 

 

 

Und die trifft uns oft völlig überraschend und unvorbereitet! Ein Duft weht der Nase entgegen, der wie eine leise Ahnung streift, eine flüchtige Erinnerung, etwas Vertrautes, eine Berührung vielleicht… Ein Traum?

Nein, der Mai ist gekommen! Endlich!

 

 

 

 

Auf einmal sind sie da, überall – die zauberischen Frühlingsdüfte, die dieser Monat auf verführerische Weise versprüht.

 

 

 

 

Fast ein wenig sehnsüchtig erhaschen uns die wiederkehrenden, tief im Geruchsgedächtnis (der olfaktorische Sinn ist unser ältester Sinn) gespeicherten Wohlgerüche vom berauschenden Duft des Flieders, des charakteristischen, lieblichen Duftes der schneeweißen Dichternarzisse – Narcissus poeticus – wie erinnern uns: „Poesie ist ein Duft“… oder gar dem des bescheiden im Verborgenen blühenden Veilchens.

 

 

 

 

Dessen süßer, warmer und romantischer Duft ist unvergleichlich –  klassisch und extravagant – aber ein wenig aus der Mode gekommen. Leidenschaftliche Verehrer haben dieses bezaubernde Frühlingsblümchen jedoch nicht in Vergessenheit geraten lassen und ihm liebevolle Aufmerksamkeit geschenkt. So hat bereits Goethe Veilchensamen in seinen Rocktaschen getragen, um sie auf seinen Spaziergängen in Weimar zu verstreuen. Dieser Romantiker – mit der charmanten Geste wollte er „zur Verschönerung der Welt beitragen…“ Vielleicht mal seinem Beispiel folgen?

 

 

 

 

Dass ein derart bescheidenes Blümchen sogar zum Symbol der Liebe zwischen Napoleon und seiner schönen Joséphine avanciert ist und selbst ihr Brautkleid mit Veilchen bestickt war, darf sicherlich als eine verliebte Hommage an den himmlischen Duft der dunkel-mauvefarbenen Frühlingsboten verstanden werden.

 

 

 

 

Gleich zwei oft ungestüme Mai-Romantiker betören auf liebenswürdig nostalgische Art – die hell-violett strahlende Glyzinie, der Blauregen mit lang herabhängenden Blütendolden und köstlichem Vanilleduft, eng umschlungen mit einer sternblütigen, rosé überhauchten Clematis montana und deren fein komponierte hauchzarte Bittermandelaromen. Ein zum genüsslichen Verweilen anregendes, attraktives Dufterlebnis an einem sonnigen Maitag!

 

 

 

 

Wer im Mai je durch eine blühende Lindenallee spaziert ist, erinnert sich ein Leben lang an das intensiv honigduftende Bouquet der Lindenblüten. Sie berauschen den Geruchssinn und erwecken romantische Stimmungen in heiteren, frühsommerlichen Bildern. Dagegen kann die blassblaue Hyazinthe verstörend balsamisch einen Hauch von Schwermut verströmen, wenn die Wolken etwas tiefer hängen…

 

 

 

 

Jede sprossende Pflanze,

die mit Düften sich füllt,

trägt im Kelche das ganze

Weltgeheimnis verhüllt.

– Emanuel Geibel –

 

 

Es lässt sich eben nicht leugnen, dass Düfte auch ganz bestimmte Einflüsse auf uns ausüben können. Fröhliche, übermütig beschwingte, genauso wie nachdenkliche, sentimentale oder gar melancholische.

 

 

 

 

Denn dieser Monat ist verführerisch! Wie ein Gefühl, eine Sehnsucht wirkt seine Ausstrahlung – und er schenkt uns einen seiner allerschönsten Düfte mit einem Glücksbringer: Dem Maiglöckchen! Ein artig gebundenes Sträußchen der grazilen Blumen mit ihren wie aus feinstem Porzellan gefertigten Glöckchen im Zimmer – und ein Frühlingsmärchen wird wahr! Kindheitserinnerungen, erste Liebe, Hochzeitstanz, Zärtlichkeit, Träume, Poesie und Musik – alles in einem Duft! Süß, etwas Apfel mit Vanille und einer Prise Muskat? Charmant eingefangen in weltbekannten Parfüms…

 

 

 

 

„L’air du Temps“ von Nina Ricci! Bereits 1948 kreiert und im anmutig gestalteten Flacon von Lalique, ein auch heute noch beliebtes, zeitlos elegantes, sinnliches Parfüm, das für mich das Fluidum des Mai ins Gedächtnis ruft.

Das Maiglöckchen-Parfüm par excellence ist jedoch die Duft-Ikone „Diorissimo“, das der legendäre Modeschöpfer Christian Dior 1956 präsentierte. Dieser betörend duftende Klassiker hat seitdem unzählige Parfümeure für ihre Duftkreationen inspiriert.

 

 

 

 

So weit, so gut – duftend! Wir aber wollen ja den kleinen vagen Überraschungsmoment, den zarten Wimpernschlag weiterträumen und uns verzaubern lassen vom Augenblick der Glückseligkeit… Von den natürlichen Düften des Mai!

 

 

 

 „…aus einem Duft einen Tempel der Erinnerung bauen…“ (Paul Valéry, franz. Lyriker)

 

 

Und? Schon einmal die Nase in die dicken, weißen Blütenbälle des Frühlingsschneeballs gesteckt? Der süße Gewürznelkenduft zieht einen schon von weitem in seinen Bann, während die locker gefüllten, fein-herb riechenden Blüten der Pfingstrose zum Schneiden eines frühsommerlichen Straußes verführen, um die liebenswürdige Heiterkeit des Frühlings in die Wohnung zu holen. Als Knospe geschnitten blühen sie in der Vase zu wahren Prachtexemplaren auf und erfreuen lange mit Schönheit und Duft.

 

 

 

 

Belebende Zauberkraft – ja, fast Flügel – verleiht eine erquickende Aroma-Therapie: Mit nackten Füßen über eine taufeuchte, sattgrüne Frühlingswiese laufen, diese unnachahmliche Frische erschnuppern oder bei einem „Waldbad“ die herrlichen Essenzen eines Maiwaldes mit hellgrünen, frisch entfalteten Buchenblättern tief einatmen. Das ist mit das Beste, das diesen Monat zu einem großartigen Magier macht und seine Duftsymphonien zu einem immer wiederkehrenden Geschenk fürs glücklich sein.

 

 

 

 

Wie schön, dass sich hier ein zauberhafter Kreis schließt – Poesie ist ein Duft…

Und ein Duft ist… Poesie!

 

 

 

 

„Harmonien hör ich klingen,

Töne süßer Himmelsruh,

und die leichten Winde bringen

mir der Düfte Balsam zu“.

– Friedrich Schiller –

 aus „Sehnsucht“

 

 

Kleine, romantisch vergnügte Mußestündchen im Mai und ein Füllhorn wunderbar duftender Erinnerungen wünsche ich allen Duft-Verliebten…

eure Evelyn

 

 

 

 

Eine kleine Anleitung, um die Lust auf den Duft des Frühlings zu bewahren:

Die englische Tradition, ein „Potpourri“ aus Trockenblüten herzustellen, soll Nase und Augen erfreuen.

 

 

Da der Blumenduft sehr schnell verfliegt sollte man die Blüten ernten, wenn sie am stärksten duften. Die dafür richtige Tageszeit ist morgens, wenn die Sonne den Tau getrocknet hat.

Zwei bis drei Hände voll ausgewählter, geernteter Blütenblätter müssen vollständig trocken sein, da sonst die Gefahr besteht, dass das Potpourri zu faulen beginnt. Also auf Zeitungspapier oder flachen Schalen an windgeschütztem Platz in der Sonne trockenen lassen oder bei schwacher Hitze im Ofen.

Alle gut getrockneten Blütenblätter in eine große Papiertüte füllen, ca. 20-30 g gemahlene Iriswurzel (aus der Apotheke) zur Stabilisierung des Dufte hinzufügen und ungefähr 20 Tropfen ätherischen Blumenöls, wie z.B. von Maiglöckchen, Jasmin, Geißblatt oder Rosengeranium.

Eine Woche lang das Potpourri in der Papiertüte belassen, ab und zu vorsichtig durchmischen. Dann ist die duftende Frühlingsblüten-Komposition bereit, um in schöne Schalen und Gefäße gefüllt zu werden. Die fein wahrnehmbaren Aromen erinnern auf poetische Weise noch lange Zeit an den Wonnemonat.

 

 

 Viel Spaß bei der Kreation einer ganz speziellen, persönlichen Duftmischung!

 

*(Dieser Post enthält Produktempfehlungen und damit unbezahlte und unbeauftragte Werbung.)

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