Verzauberte Zeit im Weinberg – Wanderung durch das Remstal

 

Die Sonne hat sich heute ein wenig in ihr Wolkenschloss zurückgezogen. Das ist etwas ungewöhnlich, strahlt sie doch seit Wochen sommerlich warm vom blitzblauen Himmel.

 

 

Das kann die kleine Hexe Paula und mich aber nicht abschrecken, wir gönnen uns ein paar erfrischende Mußestündchen bei einer sehr speziellen Weinwanderung.

 


Schnell den Proviant in die Rucksäcke packen, die Wanderstiefel anziehen und hex, hex, los geht’s! Unser Ziel ist der kleine Ort „Strümpfelbach“ mitten in den herrlichen Weinbergen im schönen Remstal.

Schon der Ortsname verspricht ein lustiges Abenteuer. Paula kichert: „Strümpfelbach, müssen wir dort mit Strümpfen durch einen Bach laufen? Werden die ganz nass oder bleiben sie trocken? Ich nehm‘ am besten mal meinen Zauberstab mit! Strümpfelbach –  hört sich irgendwie nach Märchen an…“

 


„Wir werden uns überraschen lassen, Süße. Vielleicht treffen wir im Weinberg noch andere liebe Hexen, die uns einen fröhlichen Tag zaubern. Und die freundlichen Wasserfeen passen sicherlich gut auf, damit wir mit trockenen Strümpfen durch den Bach ans andere Ufer hüpfen können.

 

 

Schließlich wollen wir die verwunschene Prinzessin im Schloss der blauen Trauben ja nicht mit nassen Füßen und triefenden Schuhen besuchen, oder?“

 

 

Meine kleine Hexe strahlt, denn bereits am Ortseingang empfängt uns ein singender, Schalmei spielender Schelm.

 

 

Was kann heiterer stimmen als ein fröhliches Liedchen, begeisterte Kinder und die Aussicht auf ein frisches Gläschen Wein im traditionellen „Besen“ oben im Weinberg.

 


Vergnügt kraxeln wir weiter durch die herbstlich gefärbten Weinbergreihen, finden von der goldenen Oktobersonne wunderschön verzauberte Weinblätter in Goldbrokat, Rubinrot und strahlendem Orange. Farben für die traumschönen Roben einer Weinbergprinzessin. „Was meinst du, kleines Hexchen?“

 

 

Wie leuchtende Edelsteine hängen die dunkelvioletten Trauben rund ums Prinzessinnenschloss und wir sind fasziniert von diesem märchenhaften Farbenspiel.

 

 

Ein wenig aus der Zeit fallen, wie schön! Mit Kindern gelingt es immer leichter, im hier und jetzt zu sein. Sie sind der Ewigkeit noch näher.

Die größten Überraschungen erwarten uns jedoch an jeder Wegbiegung, versteckt zwischen den Weinreben und oben auf der Höhe. „Kunst in den Weinbergen“ – die heiteren, verliebten, nachdenklichen und verspielten Skulpturen der hier ansässigen Künstlerfamilie Nuß.

 


Auch sie wirken raum- und zeitlos, unvergänglich und anrührend „ewiglich“. Das spüren  Kinder intuitiv. „Wer hat die hierher gezaubert und warum sind die fast alle nackig, Omi?“
Ja, warum? Ich glaube, der Künstler hat sich gedacht, dass seine von ihm geschaffenen Skulpturen hier so glücklich sind, wie es Adam und Eva im Paradies waren. Die beiden haben ja auch keine Kleider gehabt und sich sehr wohl gefühlt.

 

 

In den wunderschönen Weinbergen ist es eben auch geradezu paradiesisch! Zumindest vermitteln uns das diese reizvollen, Freude bereitenden Kunstwerke, die bei genauerem Hinsehen entwaffnende, oftmals mit hintergründigem Humor gezeichnete Abbilder der geneigten Betrachter sind.

 

 

Und die Idee, Kunst so „hautnah“ nicht im Museum, sondern in den Weinbergen, eintauchend in das seit Jahrtausenden uns Menschen begleitende, „göttliche“ Getränk, zu präsentieren, lässt uns leicht schweben und wiederum ein wenig versinken im Kelch der Zeit.

 

 

Nach so vielen Eindrücken und anstrengendem bergauf und bergab haben wir uns jetzt aber ein genießerisches Päuschen verdient! Ein malerisch gelegener, kleiner Weinberg-Besen lockt uns mit seinen feinen Tröpfchen. Auf dem einzigen freien Tisch stehen einige leere und halbleere Becher. „Wer hat denn aus diesen Becherchen getrunken? Waren die sieben Zwerge schon hier? Schneewittchen, biiiitte Omi!“

 


Während des Märchenerzählens lassen wir den nun gar nicht mehr grauen Tag mit Leichtigkeit und Fröhlichkeit ausklingen, halten kurz inne und freuen uns, dass zum Abschied noch ein Sonnenstrahl an den rosa-violetten Rändern des Wolkenschlosses aufblitzt. Purer Genuss!

 

 

 

Oktoberlied


Der Nebel steigt, es fällt das Laub,
Schenk ein, den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden.


– Theodor Storm –
– Gedichtzeile aus Oktoberlied –

 

     Ein vergoldeter Tag! Ich glaube, er wird uns in märchenhafter Erinnerung bleiben. Wohl bekomm’s!

 

 

 

      „Schau mal Omi, ich habe einen goldenen Sterntaler mit Zauberperlen für dich gefunden!“



Wunderschön, meine kleine Hexe! Komm, wir fliegen auf unseren Hexenbesen nach Hause und ich erzähl‘ dir etwas von den Hexen, die durch die Halloween-Nacht poltern. Dann wird’s ein bisschen gruselig und wir können ganz kuschelig zusammenrücken. Zum Glück hast du ja schon einen Kürbis ausgehöhlt und mit einem Licht vor die Türe gestellt. Das erhellt die Dunkelheit und schreckt die nicht so braven Hexen und Poltergeister ab.


Mit leicht weinseligen, märchenhaften Grüßen, eure Evelyn

 

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