Birnenschmaus – ein süss-saftiges Portrait –

 

Wenn sie sich in ihrer Umgebung wohl fühlen, es meistens angenehm sonnig ist, das Umfeld etwas geschützt vor rauen Winden liegt und ihr Heimatboden sie angenehm tiefgründig und nährstoffreich verwöhnt, dann können die vornehmen Damen gut und gerne ein recht beachtliches Alter von 70 Jahren erreichen. Bei großer Hitze sind sie ungemein dankbar für ein paar Literchen erfrischenden Wassers. Aber wer ist das nicht? Je älter, desto mehr – das war schon immer gut!

 

 

Im Frühling erfreuen sie uns mit ihrem leuchtend weißen Blütenschmuck und ihre Verwandtschaft mit den Rosen lässt sie daher im April besonders bezaubernd aussehen. Fein und vornehm zurückhaltend im hübschen sommergrünen Gewand überrascht das Spalier der Damen aus gutem Hause vom Sommer über den Herbst und einige von ihnen selbst im Winter mit wundervoll  üppigen, weithin goldig lächelnden Früchten.

 

 

Wer kennt sie eigentlich noch, die erlauchten Damen? Die Köstliche aus Charneu, die Gräfin von Paris, Madame Verte, Prinzessin Marianne, die Schöne Julie? Oder gar die mit dem etwas neckischem Esprit – die Glücksbirne, die Köstliche von Löwenjoul, die Verschwenderin?

 

 

Und für die ganz besonderen Gelegenheiten vielleicht die Liebesbirne, die Damenbirne  –  oder ganz frivol, der Frauenschenkel? Na, na, na – wer wird den gleich….?

 

 

Sind sie doch leider eh aus unseren Gärten weitgehend verschwunden. Bleibt uns vielleicht noch die Gute Luise.

Aber zum Glück treffen wir sie hin und wieder auf einigen alten Streuobstwiesen an. Ein Grund für manche Liebhaber- und Liebhaberinnen sich ihrer hoffnungsvoll und engagiert anzunehmen. Wissen sie wohl um ihre Geschmacksvielfalt, ihre köstlichen Aromen und ihre gesundheitsfördernden inneren Werte.

 

 

Wer will sich da schon mit den zwei langweiligen Sorten aus den Supermärkten zufrieden geben? Ein Hoch auf die Erinnerung…. dem alten von Ribbeck sei Dank!

 

 

Die griechische Mythologie bezeichnete die Birne sogar als „ein Geschenk Gottes“. Wie konnten wir „Modernen“ das nur so lange vergessen und vernachlässigen? 

Bitte gestattet mir hier eine kleine Phantasie: Wie die Geschichte der Menschheit wohl geschrieben worden wäre, wenn es einer Göttin gefallen hätte, statt eines Apfelbaumes einen Birnbaum in ihr sicherlich wohlüberlegtes, feminines Paradies zu pflanzen? Hätten die beiden unschuldigen Bewohner des Gartens sich dann wohl auch der Verführung und des Sündenfalls schuldig gemacht?

 

 

Oder hätte die wohlwollende Göttin vielleicht mit einem schelmischen Lächeln ihren Adam dazu aufgefordert, seiner Eva eine pralle, süße, goldene Birne zu pflücken?

 

 

Eine liebenswerte Vorstellung, die mir sehr gut gefällt. Möglicherweise lebten wir in einer deutlich reiferen, friedlicheren Welt.

Denn erinnert die schöne Birne nicht an die wunderbaren Rundungen der Frauen von Taille und Hüfte? Ein besseres Symbol für sanfte, weibliche, paradiesische Sinnlichkeit gibt es doch kaum! Ist sie deshalb so wertvoll für uns und beschenkt Evas Töchter bei ihrem Verzehr so üppig mit Vitaminen und Mineralstoffen?

 

 

Meine Damen, und das dürfte euch besonders interessieren: Wenn ihr auf feine Haut und gesunde Zähne, schöne, glänzende Haare und eine Bella Figura Wert legt – esst Birnen! Sie helfen sogar dabei, das eine und andere „Pfündchen“ abzunehmen und eure schönen Proportionen wieder ins rechte Licht zu rücken.

 

 

Ihre guten Inhaltsstoffe schützen uns auch vor Erkältung und Grippe und können Blutdruck senkend wirken.

 

So goldig umsorgt ist es kein Wunder, dass auch die Traumdeutung das Symbol der Birne, ihre Süße und Saftigkeit mit Erotik, aufregendem Liebesleben und Fruchtbarkeit gleichsetzt.

 

 

Na bitte… klingt das nicht nach purer Lebensfreude? Damit können wir doch etwas anfangen, gell?

Ihr Lieben, träumt heute Nacht etwas Schönes…. vielleicht vom

 

Birnenschmaus

 

So komm, du lieber Sonnenschein,

Lass unsre Birnen gut gedeih’n!

Und wenn sie gelb geworden sind,

Dann komm und wehe, lieber Wind!

Komm, Wind, und schüttle jeden Ast

Und lad‘ uns allesamt zu Gast!

Dann eilen wir zum Haus hinaus

Und halten einen Birnenschmaus!

 

– August Heinrich Hoffmann von Fallersleben –

 

 

Weil ich heute einen großen Korb voll mit süßen, saftigen Birnen verehrt bekommen habe, schenke ich euch in verströmender Großzügigkeit, damit eure schönen, weiblichen Attribute voll zur Geltung kommen, ein köstliches Rezept mit Birne! Gutes Gelingen und viel Spaß

eure Evelyn

 

  Birnen-Quiche

 

            

 200 g Mehl,

100 g Butter,

1 Ei

Salz

4 – 5 aromatische Birnen

2 Eier

150 g Sahne

150 g Creme fraiche

100 g Mandelblättchen

150 g Blauschimmelkäse

(wer es herzhaft mag, Gorgonzola)

Salz, etwas Pfeffer

(ein Hauch von frischem, kleingehacktem Salbei gibt der Quiche eine besonders aparte Note)

 

Mehl, Butter, 1 Ei, 1 Prise Salz, evtl. etwas eiskaltes Wasser verkneten. Zu einer Kugel formen und in Klarsichtfolie ca. eine halbe Stunde im Kühlschrank aufbewahren.

Die Birnen schälen, halbieren, vom Kerngehäuse befreien, und vierteln.

Die Eier, Sahne und Creme fraiche mit den Gewürzen verquirlen.

Den Teig ausrollen, Quicheform fetten und mit dem Teig auslegen. Birnenviertel hübsch darauf verteilen, mit der Sahnemischung übergießen und den Käse darüber krümeln und mit den Mandelblättchen bestreuen.

Bei 200 Grad, ca. 30 Minuten backen.

 

Am besten schmeckt der Quiche-Schmaus lauwarm mit einem feinen Gläschen Weißwein und natürlich in der fröhlichen Gesellschaft von Adam!

 

 

Noch ein kleiner Geheimtipp:

Besonders nett wird es vielleicht, wenn Eva mit einem köstlichen, sanft verführerischen Schokoladenbirnchen überrascht…..

 

Birnen im Schoko-Mäntelchen

 

 

4 wohlschmeckende nicht zu weiche Birnen

100 g Schokolade nach Wahl

50 g Mandelblättchen

 

Für den Sud:

500 ml Weißwein, trocken

evtl. etwas Wasser

1 Orange

80 g Honig, flüssig

3-4 schwarze Pfefferkörner

1-2 Gewürznelken

2 Sternanis

 

Orange pressen und mit Weißwein, Gewürzen und Honig zum Kochen bringen.

Birnen schälen, Stielansatz stehen lassen und im Sud kurz aufkochen. Bei kleiner Hitze ca. 5 Min. weich dünsten.

Inzwischen die Schokolade im Wasserbad schmelzen und die Mandelblättchen in einer Pfanne kurz anrösten.

Birnen aus dem Sud nehmen, abtropfen und auf einem Teller abkühlen lassen.

Ca. 150 ml Birnensud durch ein Sieb gießen und bei schwacher Hitze zu Sirup einkochen.

Die Birnen mit der unteren Hälfte in die geschmolzene Schokolade tauchen und mit den gerösteten Mandelblättchen bestreuen.

Birnen sollten ca. 30 Minuten kühl stehen.

Vor dem Servieren alle Birnen mit Sirup beträufeln.

 

 

 

One thought on “Birnenschmaus – ein süss-saftiges Portrait –

  1. Ach, wie schön, dass sich jemand mit diesem Auge für die Schönheit der Natur auch noch Zeit nimmt, in Worte zu fassen, was das Auge wahrnimmt!

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