Es gibt Orte, die kommen nie aus der Mode! Seit mit den romantischen Tönen der „Caprifischer“ in den 50er Jahren die untergehende rote Sonne im blauen Meer besungen wurde, ist die Sehnsucht vieler Deutscher ins Land ihrer Träume ungebrochen. Ich kannte diese rosarot sich einschmeichelnde Melodie nur aus Papas kleinem Radio und hatte natürlich keinen blassen Schimmer, wo diese sagenumwobene Insel liegt, geschweige denn, ob ich jemals die Gelegenheit haben würde, dorthin zu reisen. Ich war ein kleines Mädchen…

 

 

 

 

 „bella, bella, bella Marie, vergiss mich nie…“ eine kleine, unbestimmte Sehnsucht blieb hängen.

 

Als ich schon ein recht großes Mädchen war, gab es plötzlich ein Getränk in einem kleinen Alubeutel mit Trinkhalm und Orangengeschmack. Die Capri-Sonne! Super lecker, super praktisch, super italienisch! Fantastico! Mit dem Schlürfen des nach südlicher Sonne schmeckenden Kultgetränks fühlte ich mich dieser Trauminsel sofort ein Stückchen näher! (Seit einigen Jahren heißt es bedauerlicherweise Capri-Sun)

 

 

 

 

Das allerbeste in Sachen Mode in meinen Teenager Sommern war jedoch der Import eines aufregenden Beinkleides – die Caprihose! – die ja mittlerweile zu einem Modeklassiker avanciert ist. Ein super chices, eng anliegendes Kleidungsstück, das bis zur Mitte der Wade reichte und mit einem kessen kleinen Schlitz an der Außenseite der Hosenbeine punktete! Ein „must-have“ für mich – wenn auch nicht gerade Mamas erste Wahl fürs brave Töchterchen! Na und? Mein Bella-Italia-Feeling rückte ziemlich nah – alla moda – an mich heran! Trugen nicht schon Filmikonen wie Audrey Hepburn in ihrem hinreißenden Film „Sabrina“ in den 5oern diese femininen Caprihosen und versprühten damit Ferienstimmung pur?    Hatte Mama wohl nicht mitbekommen!

 

„…bella, bella, bella Marie, vergiss mich nie!“

 

 

Aber dann kam er! Ich traute meinen Augen kaum – irgendwann in den 70ern machte Mama ihren Führerschein und bekam ihr erstes Auto! Und dann gleich das! Ein schnittiges, sportliches Gefährt mit einer dynamisch-eleganten Kühlerfront und einem appetitlich abgerundetem Heck in „Mediterran-Grün“!!! stand vor der Tür! Ein Ford Capri Coupé! – Capri! Ich war sprachlos! Der Mythos mondäner, italienischer Lebensart bei uns zuhause! Die Insel konnte warten!

     „…bella, bella, bella Marie, vergiss mich nieeee…“

 

 

    Und sie hat gewartet – viele, viele Jahre!

 

 

 

Cut !

 

 

 

Happy Birthday liebe Mama, tönt es aus vier fröhlichen Kehlen!

Meine fantastischen Vier haben mir zum runden Geburtstag ein sensationelles Geschenk gemacht! Eine Reise nach…

Capri !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Ich altes Mädchen – auf Capri !!!!!!!!!!!!!!

Und nun sind wir hier – meine Viererbande und ich! Auf Capri !!

„…bella, bella, bella…“

 

 

 

 

Die Fähre vom Städtchen Sorrento hat uns gerade auf den langen Landungssteg entlassen, der direkt in den Hafen, die „Marina Grande“ führt. Vor uns liegt perfekteste Italien-Nostalgie, die wir jedoch mit gefühlt mehreren tausend Touristen, die die Insel jeden Tag zu verkraften hat, teilen müssen.

„…bella, bella, bella…?“

 

 

 

 

Jaaaa, es ist traumhaft… ich bin auf Capri! Der Himmel strahlt azurblau und das Meer schillert in sämtlichen lapislazulifarbenen Tönen. Der Anblick der malerisch bunten Häuser rund um den Hafen und die grandiose Aussicht auf den Golf von Neapel machen die kleine Anstrengung des Aufstiegs zur „Piazetta“ dem eigentlichen Herz Capris auf jeden Fall wett. „Piazza Umberto I“ im historischen Zentrum der Insel galt schon in der Römerzeit als beliebter Treffpunkt und ist wohl immer noch der Hot Spot, wie das Ameisengewimmel vermuten lässt. Das Paradies ist heute leicht überfüllt!

 

 

 

 

Aber ein Caffè Latte darf’s schon sein, dort drüben vielleicht, da wird gerade ein Tischchen frei! „Juliaaa, bestell‘ doch mal bitte, das kannst du doch ganz gut auf italienisch…“ Ich träum‘ derweil  ein bisschen von dem Filmklassiker „Es begann in Neapel“ mit dem schönen, italienischen Weltstar Sophia Loren und dem smarten Glark Gable, der hier in den 50ern gedreht wurde.

 

 

 

 

Mit der gefühlt dritten Zitronengranita in der Hand – „es ist aber auch wirklich schon sehr heiß, Mama“ – erkunden wir das arabisch anmutende, verwinkelte Gassengewirr rund um die Piazetta und bummeln an den verführerischen, aber teuren Auslagen der feinen Geschäfte an der Via Vittorio Emanuele vorbei. Italienischer Chic steht hier für sich und vermittelt diese unnachahmliche Eleganz aus feiner Zurückhaltung und absolutem, unaufdringlichem Luxus. Da könnte ich bei den mit Zitrönchen bestickten Schühchen fast schwach werden… aber ob die zuhause auch so „capri-ziös“ tragbar sind? Was meint ihr, Jungs? „Was hast du gesagt, Mama? Zitroneneis?“

 

 

 

 

Überhaupt… die Zitrone! Das Markenzeichen dieser Region! Sozusagen der „Apfel“ der Amalfitana mit der wunderbaren Eigenschaft, gleichzeitig Blüten hervorzubringen und Früchte! Wer schon einmal diesen frisch-süßen, fein-würzigen Duft der Zitrusblüten erschnuppert hat, vergisst ihn nie mehr! Er ist einzigartig! Und wie groß sie hier werden… ich habe Exemplare in Honigmelonengröße gesehen!! Unglaublich!

 

 

 

 

Immer wieder entzückt haben mich die wirklich oft wunderschönen, in herrlichen Farben dekorierten Keramikarbeiten, die hier zu bewundern sind und keineswegs in Kitsch abgleiten. Schade, dass das Fluggepäck nur gaaanz kleine Mitbringsel zulässt.

 

 

 

 

Mit noch mehr Begeisterung bestaune ich allerdings die strahlend farbige, üppige, mediterrane Pflanzenpracht, die noch den kleinsten Winkel schmückt oder die steilste Hausfassade emporklimmt. Beim Bummel durch die kleinen Gässchen, durch die man nicht mit dem Auto fahren kann, eröffnen viele Blicke in verborgene Gärten paradiesische Facetten liebevoll gepflegter Gartenkultur. Der geradezu magische Farbenrausch versetzt in immer neue kaleidoskopartige Bilder von atemberaubender Schönheit. Das ausgeglichene, milde Klima schenkt der Insel eine immergrüne Vegetation, die vortrefflich durch den Wein-, Oliven- und Obstbaumanbau in Terrassenkulturen ergänzt wird. Ein Paradies für Götter!

 

 

 

 

Und erst die Düfte! Für mich ist die gesamte Insel in den berauschenden Duft von Jasmin gehüllt! Diese Betörung des olfaktorischen Sinnes führt uns in die beeindruckende Gartenanlage des „Giardini di Augusto“, ein wahrhaft sinnliches Erlebnis. Der weitläufige, terrassierte Garten bietet herrliche Ausblicke auf das spektakuläre Felsentrio der „Faraglioni“ und den munteren Anblick der unzähligen hier vor Anker liegenden Ausflugsboote und eleganten Jachten.

 

 

 

 

Ein Besuch der am Rande der Gartenanlage gelegenen legendären Parfümerie der Insel, „Carthusia“, die die Düfte in ihren Essenzen einfängt, rundet das unvergesslich intensive Duftboquet dieses aromatischen Mittelmeerkleinods ab. Und als Souvenir kommt ein kleiner Flakon “Aria di Capri” mit Orangen- und Zitronenessenzen, veredelt durch eine feine Kopfnote von Mimose und Pfirsich, ins Gepäck. Das bringt auch zuhause sofort Sonne ins Herz!

 

 

 

 

Ein letzter Hauch des zart schmeichelnden Fluidums begleitet uns weiter auf dem Weg zur „Villa Krupp“, die der Industrielle und Inselliebhaber hier im Jahre 1900 erbauen ließ, mit einem imposanten Blick auf die ebenfalls berühmte „Via Krupp“, die in Serpentinen zur Marina Piccola führt.

 

 


 

Ein leckerer Imbiss auf der Terrasse der heute als Hotel geführten Villa ermutigt uns, die Schönheit der Insel auf einer langen, recht anstrengenden, mit großen Steinstufen versehenen Wanderung entlang der spektakulären Steilküste zu erkunden. Es geht mit großen Schritten bergauf und –ab! Am Ende sind es gefühlte 19 !!! Stockwerke, die wir hier bewältigt haben. Aber es hat sich gelohnt!

 

 

 

 

Die mediterrane Atmosphäre, die umwerfenden Ausblicke auf das unwirklich schöne Meer, die aromatisch duftende Mittelmeervegetation und für die „große“ Tochter als Architektin der sensationelle Blick auf die „Casa come me“, das markante Gebäude des Curzio Malaparte, 1898-1957, einer schillernden Gestalt seiner Zeit. (Politiker, Journalist, Schriftsteller und vieles mehr).

 

 

 

 

Unser Capritag neigt sich allmählich dem Ende zu. Mit schweren Schritten stapfen wir am Nationalpark vorbei zurück in Richtung „Piazetta“, wo hoffentlich noch eine letzte eisgekühlte Granita auf uns wartet. Lechz!!

 

 

 

 

Wunderschöne Gärten, traumhafte Ausblicke, verführerische Düfte und der zeitlose Charme dieses Inseljuwels begleiten uns bis zur „Funicolare“, der Standseilbahn, die uns von der „Piazza Umberto I“ bis zur „Marina Grande“ und dort zu unserer Fähre bringt, mit der wir zurück zum Festland schippern.  (Die Funicolare, dieses bequeme Gefährt, hätten wir natürlich auch hinauf nehmen können), aber nein…“vor den Preis haben die Götter ja bekanntlich den Schweiß gesetzt“! Welche waren das noch? Egal, hier auf Capri waren sie auf jeden Fall zuhause!

 

 

 

 

Uuuund???? Haben wir nicht irgendetwas vergessen???? „Grotta Azzura“ – die Blaue Grotte? Die Touristenattraktion der Insel schlechthin? Oder vielleicht den kleineren, ursprünglicheren Ort Anacapri im Nordwesten der Insel gelegen, wo der legendäre schwedische Arzt Axel Munthe seine „Villa San Michele“, einen Lichttempel mit einem zauberhaften Garten bauen ließ? Oder erst recht die „Villa Jovis“ auf dem „Monte Tiberio“? Die mächtige Ruine der zwölf Kaiservillen des römischen Kaisers Tiberius, der seine letzten 10 Lebensjahre von 27 bis 37 n.Chr. hier verbrachte und Capri damit zum Machtzentrum des römischen Reiches machte?

 

 

 

 

Nein, wir haben nichts vergessen! Wir wollten fernab von all diesen großartigen Touristenmagneten einen freien Blick auf dieses charmante Kleinod mitnehmen und träumen davon, noch einmal wiederzukommen, wenn es nicht so heiß ist, nicht so überlaufen und nicht so touristisch gedrängt zugeht.

 

 

 

 

Mal sehen, vielleicht schaffen wir das in diesem Leben noch… und dann bleibe ich am besten gleich einen ganzen Winter lang, wie viele berühmte Künstler, Dichter, Schriftsteller und Berühmtheiten, die diesen Sehnsuchtsort seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu ihrem beliebten Ferienquartier machten – nicht um am Strand zu grillen, sondern um Lebensstil zu tanken. Bis dahin…

 

 

 

„…bella, bella, bella Marie, vergiss mich nie…“

 

 

 

 

Mit dieser kleinen Illusion im Herzen sage ich euch für heute, meine Allerliebsten,  „Grazie mille“ – es war traumhaft schön! Und zum Glück habt ihr ja scheinbar noch ein paar Überraschungen in eurem Programm. Ich freue mich schon darauf!

Kiss, Mama

 

 

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