Reiseträumerei Teil II

 

 

 

 

 

 

Die atemberaubenden, hell leuchtenden Impressionen der kaum zu erfassenden Schönheit der uralten orientalischen Kunstwerke mit ihrem außergewöhnlichen Formenreichtum, die Marrakesch, der Sehnsuchtsort – „El amara“ – die Rote, mir geboten hat, werde ich in dem geheimen Schatzkästchen meiner Erinnerungen für alle Zeiten aufbewahren. Von ihr werde ich träumen, wenn graue Regen- und Nebelschleier meine Welt undurchsichtig machen.

 

 

 

 

 

 

Es heißt Abschied nehmen, mein fliegender Teppich wartet schon!

 „ila-l-liqa! Au revoir! Bon voyage! Adieu! Auf Wiedersehen! – Inshalla!“

 

 

 

 

 

 

 

 

Höher und höher geht es hinauf! Unten in der Ebene säumen mannshohe, gelb blühende und rot fruchtende Kakteen, Oleanderbüsche, leuchtend gelber, wilder Fenchel und violetter Lavendel die fruchtbaren, bewässerten Täler am Fuße des Hohen Atlas.

 

 

 

 

 

 

Wie grüne Inseln schimmern die von Bächen und kleinen Flüssen durchzogenen Oasen in der Weite der auf den ersten Blick kargen, ausgetrockneten Welt. In diesen seit alters her kultivierten kleinen Paradiesen gedeihen Oliven-, Feigen- und Granatapfelbäume. Und wie immer – wo sich Wasser findet, blüht das Leben. Pflanzen, Tiere und Menschen haben sich an diese Bedingungen angepasst. Über die gesamte Pracht spannt sich ein klarer, intensiv blauer Himmel.

 

 

 

 

 

 

Von Ferne grüßt die grandiose, wild zerklüftete Landschaft des Hohen Atlas mit ihren majestätischen, über 4000 m hohen, weithin strahlenden, schneebedeckten Gipfeln. Da heißt es, sich gut festzuhalten auf meinem fliegenden Teppich, denn der Blick in die steil abfallenden Schluchten dieser dramatischen Landschaft lässt mich schwindlig erschauern.

 

 

 

 

 

 

Das sonnendurchtränkte Lüftchen bietet aber auch eindrucksvolle Szenerien im unter mir dahinziehenden Land der Berber, die hier total abgeschieden in ihren „Kasbahs“, den trutzigen Festungen aus ockerfarbenem Lehm, seit jeher beheimatet sind.

 

 

 

 

 

 

Im Schatten einer Oase taucht sie auf!

 

 

 

 

 

Wie eine Fata Morgana im Licht der sinkenden Sonne, eine der eindrucksvollsten Kasbahs im Süden Markokkos  – „Ait Benhaddou!“ Zu ihren Füßen türmen sich die Lehmburgen und Speichertürme des „Ksar“, des Wehrdorfes, wie verschachtelte Bienenwaben am Hang.

 

 

Hoch oben wacht die verfallene Kasbah.

 

 

 

 

 

Leicht lässt es sich vorstellen, wie die Berberfürsten mit ihrer riesigen Sippschaft (bis zu 1000 Menschen lebten in einem derart großen Ksar) von hier aus die Wege entlang der Oasen und Bergpässe des Hohen Atlas kontrollierten, um Überfälle angriffslustiger Stämme abzuwehren. Andererseits boten die an Einfluss und Ansehen reichen Scheichs vorüberziehenden Karawanen ihre Schutzburgen als Herberge an.

 

 

 

 

 

 

Alles fremd, alles geheimnisvoll! Licht und Schatten huschen in einem reizvollen Spiel über die zinnenbewehrten Türme und die glatten, ockerfarbenen Stampflehmwände des Ksar, die mit malerischen, geometrischen Ornamenten – Rauten, Quadraten und Dreiecken geschmückt sind. Die Berber sprechen ihnen magische Kräfte zu, die den „Bösen Blick“ abwehren sollten.

 

 

 

 

 

 

Eigentlich ist es nun höchste Zeit für eine Erfrischung, einen

„The á la menthe“ 

 

 

 

 

 

 

Staub und Hitze hinterlassen doch ermüdend ihre Spuren. Vorher muss ich aber unbedingt noch eine kleine Rast bei den vor Ort stationierten Teppichnomaden machen. In den Farben des Sonnenuntergangs hängen rot glühende Träume an den warmen Zeltwänden. Hin und her gerissen vom Zauber der Farben und Formen vergesse ich fast, dass ich selbst auf einem wunderschönen Traumteppich dahinfliege.

 

 

 

 

 

 

Zu meiner Freude steuert mein herrlich smaragdrüner, mit schwingenden, silbernen Vogelmotiven bestickter und von einer rubinroten Bordüre umrahmter Teppich hinter unscheinbaren Lehmmauern verborgen ein morgenländisches Paradies an. Und hier blühen die Rosen, prunken die Bougainvillaes mit ihrem purpurrotem Feuerwerk, neigen sich exotische Granatapfelbäume über die überschwängliche Pracht leuchtender Blumen und schlanke, hohe Palmen wiegen sich im Wind. Ist das jetzt das Paradies?

 

 

 

 

 

 

Noch nicht ganz, aber beinahe! Ein abgeschiedenes Refugium am Rande der Wüste unter einem Zelthimmel aus Ziegen- und Kamelhaardecken mit bunt gewebten Bändern zusammengehalten und zauberisch bemalt mit geheimnisvollen Zeichen und Ornamenten gaukelt dieses Bild vor. Auf weich gepolsterten Sofas träume ich mich in die zeitlose Schönheit dieser wundersamen, orientalischen Atmosphäre und übe vollkommen entspannt die „Leichtigkeit des Seins“.

 

 

 

 

 

   „Halte dein Gesicht der Sonne entgegen,

         dann fallen die Schatten hinter dich“

Afrikanisches Sprichwort

 

 

 

 

 

 

Wärme, Behagen, Sinnlichkeit – und leider auch Vergänglichkeit! Ein Jammer, warum muss ich dieses afrikanische Arkadien verlassen?

 

 

 

 

 

 

Ein letzter, flüchtiger, träumerischer Blick erhascht die am nachtblauen Himmel liegende, silberne Sichel des Mondes. Hoch über ihr erstrahlt eine kleine, einsame Sternschnuppe und schnell wünsche ich mir, dass ich bald wieder reisen darf ins Land meiner Sehnsucht aus Tausendundeiner Nacht 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bis dahin schleppe ich meinen Koffer voller Hoffnungen weiter mit mir herum…

 

eure hin und wieder verträumte

Evelyn

 

 

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